Rennrollstuhl

Rollstuhl ist nicht gleich Rollstuhl: Um ihre Sportart optimal ausführen zu können, benötigen die Athleten einen passgenauen und auf Maß angefertigten Rennrollstuhl. Im Aufbau unterscheiden sich Rennrollstühle erheblich von anderen Sportrollstühlen: Die Hinterräder haben normalerweise einen starken Sturz, sind größer als die Antriebsräder herkömmlicher Rollstühle und haben Greifringe mit deutlich geringerem Durchmesser. Der Fahrer sitzt in kauernder Stellung wobei sich die Beine angewinkelt unter dem Sitz befinden, was die aerodynamische Ausrichtung des Rennrollstuhls unterstützt und zu einem anderen Einsatz der Armkraft führt. Das einzelne Vorderrad befindet sich weit vor der Sitzeinheit und kann festgestellt werden, womit während des Rennes Spurabweichungen vermieden werden können. Eine Schaltung oder andere Übersetzungshilfen sind nicht erlaubt.

Auch im Vergleich zum Alltagsrollstuhl sieht der Rennrollstuhl ganz anders aus. Er ist ganz anders gebaut, auch viel aerodynamischer, hat ein bisschen Ähnlichkeit mit einem Rennrad.  Es werden zum Beispiel auch die gleichen Carbon-Räder, die in Radrennen auf der Bahn genutzt werden, gefahren. Das sind schon richtige Hightech-Geräte aus Carbon und mit einem Alltagsrollstuhl gar nicht zu vergleichen. Es sind Sportgeräte, die speziell für die Leichtathletik entwickelt und von acht Herstellern weltweit angefertigt werden. Ein normaler Rollstuhl hat vier Räder und ist meist nur knapp 60 bis 90cm lang. Der Rennrollstuhl hat drei Räder, die alle deutlich größer sind als am Alltagsstuhl und ist zwischen 1,70 m und 1,85 m lang. Er wiegt nur etwa acht bis zehn Kilogramm. Die mit einem Sturz von bis zu zwölf Grad justierten Hinterräder sind deutlich größer als das Vorderrad. An den Hinterrädern sind die kleineren Treibringe angebracht, mit denen der Rollstuhl beschleunigt wird. Seit 1989 gibt es einen integrierten Lenkmechanismus für Stadionkurven. Die Sitzposition ist kniend anstatt sitzend. Der Alltagsrollstuhl wird über Greifen angeschoben, während man beim Rennrollstuhl auf den Greifring auf Grund der höheren Geschwindigkeit schlägt. Mit ihren dreirädrigen Renn-Rollstühlen erreichen Top-Athleten Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 36 Kilometer pro Stunde. Wie schnell Rollstuhlfahrerinnen im Vergleich zu Läuferinnen sind, das kann man nicht allgemein sagen, man muss natürlich immer auf die Strecke schauen. Über 100 Meter hat man natürlich gegen Läufer keine Chance, weil man vom Start her viel langsamer ist. Aber auf den Langstrecken ist man schon deutlich schneller. Die Athleten im Rollstuhl sind fünfzig Minuten schneller als die besten Marathonläufer; natürlich nur die besten von ihnen. Zum Beispiel liegt eine 5.000-Meter-Bestzeit bei 12 Minuten und 10 Sekunden, das ist natürlich für einen Läufer kaum erreichbar.